Polen hat sich als Möbelproduzent auf dem europäischen Markt fest etabliert – nur China liefert mehr Möbel nach Europa. Diese Verschiebung der Produktionslandschaft stellt Logistiker vor die Frage: Wie verbindet man osteuropäische Fertigung mit westeuropäischer Endkund*innen-Erwartung? Der Hermes Einrichtungs Service (HES) und die Anton Röhr Logistic Group haben darauf eine Antwort gefunden – durch konsequente Arbeitsteilung entlang ihrer Kernkompetenzen.
Wenn Produktionsgeografie Logistikstrategien verändert
Die europäische Möbelindustrie hat sich neu sortiert. Während Design und Vertrieb oft in westeuropäischen Märkten angesiedelt bleiben, verlagert sich die Fertigung zunehmend nach Osten. Polen ist inzwischen der zweitgrößte Möbellieferant des Kontinents – ein Status, der Händlern Kostenvorteile verschafft, aber logistische Komplexität erzeugt.
Die zentrale Herausforderung: Möbel sind keine Standardware. Sie sind sperrig, empfindlich, hochwertig. Für eine positive Customer Journey erwarten Endkund*innen Lieferung und Services wie Wunschtermine, Montage, Verpackungsentsorgung oder Altmöbelmitnahme in einem. Diese Anforderungen über Ländergrenzen hinweg zu erfüllen, erfordert mehr als klassischen Gütertransport. Wie also kommt die Couchgarnitur von Polen ins Wohnzimmer der Käufer*innen?
„Die polnische Möbelindustrie hat sich enorm weiterentwickelt“, erklärt Heiko Hufenbach, Business Development Manager beim HES. „Für uns war klar: Um diese Warenströme effizient nach Westeuropa zu bringen, braucht es einen Partner, der die Osteuropa-Logistik genauso beherrscht wie wir die Endkund*innen-Zustellung. Mit Röhr haben wir diesen Partner gefunden.“
Mosina: Von der Einzelsendung zur Systemladung
In Mosina, südlich von Posen direkt an der A2 zwischen Berlin und Warschau gelegen, betreibt die Anton Röhr Logistyka Sp. z o.o. ein Logistikzentrum mit 89.000 m2 Hallenfläche auf einem 210.000 m2 großen Gelände. Hier geschieht das, was in der Logistik oft unterschätzt wird: Konsolidierung.
Polnische Möbelhersteller sind häufig spezialisiert. Der eine fertigt Polstermöbel, der andere Kastenmöbel, der dritte Küchen. Würde jeder seine Produkte einzeln nach Deutschland transportieren, entstünden ineffiziente Teilladungen. Kosten steigen, Emissionen auch, Lieferzeiten verlängern sich.
Röhr bündelt diese fragmentierten Warenströme zentral. Täglich verlassen oder erreichen 50 bis 80 Sattelzüge das Gelände. Cross-Docking-Prozesse minimieren Standzeiten, Waren wechseln direkt vom eingehenden auf den ausgehenden Transport. Was als Einzelsendung ankommt, verlässt Mosina als optimierte Systemladung.
Die geografische Position verstärkt diesen Vorteil erheblich. Von Mosina aus erreichen konsolidierte Ladungen deutsche Zielmärkte auf direktem Weg über die A2.
Arbeitsteilung nach Kompetenzen, nicht nach Geografie
Die Kooperation zwischen dem HES und Röhr basiert auf klarer Rollenteilung: Jeder Partner konzentriert sich auf das, was er seit Jahrzehnten perfektioniert hat.
Röhr übernimmt First und Middle Mile. Das Unternehmen ist seit 1958 auf Möbeltransport spezialisiert und verfügt über etablierte Strukturen in Osteuropa. Die Kompetenz liegt in der Beschaffungslogistik, Konsolidierung und grenzüberschreitendem Transport empfindlicher Großgüter.
Der HES deckt die Last Mile ab. Mit mehr als 100 Depots in Deutschland und dem benachbarten Ausland bei täglich bis zu 25.000 Auslieferungen liegt die Expertise im 2-Mann-Handling und somit in der serviceorientierten Endkund*innen-Zustellung mit Montage, Installation und weiteren umfassenden Zusatzleistungen.
Die Schnittstelle zwischen beiden ist präzise definiert: Röhr liefert entweder direkt an HES-Auslieferdepots für Deutschland und Österreich oder an die beiden HES-Logistikzentren, von denen aus europäische Partner weitere Länder bedienen. Die Übergabe erfolgt digital gestützt, IT-Systeme kommunizieren automatisiert. Sendungsinformationen fließen in Echtzeit, Tourenplanungen laufen parallel, Statusmeldungen erreichen alle Beteiligten ohne Zeitverzug.
Das Ergebnis: Lieferzeiten von bis zu 72 Stunden vom polnischen Werk ins deutsche Wohnzimmer, mit voller Serviceleistung bei Ankunft.
Wer profitiert konkret?
- Polnische Hersteller erschließen west- und mitteleuropäische Märkte, ohne eigene Distributionsstrukturen aufbauen zu müssen. Die Konsolidierung in Mosina senkt Transportkosten pro Einheit erheblich.
- Händler und E-Commerce-Plattformen integrieren polnische Produkte ins Sortiment, ohne sich um grenzüberschreitende Logistik kümmern zu müssen. Röhr übernimmt First und Middle Mile, der HES die Last Mile – die gesamte Kette funktioniert nahtlos.
- Endkund*innen erleben Premium-Service unabhängig vom Produktionsstandort: Wunschtermine, Sendungsverfolgung, Montage, Verpackungsentsorgung, Altmöbelmitnahme.
Nachhaltigkeit durch Konsolidierung und Elektrifizierung
Beide Partner verfolgen ambitionierte Nachhaltigkeitsziele. Der HES elektrifiziert kontinuierlich seine Flotte und strebt an, bis 2030 die größten deutschen Städte und Ballungszentren vollelektrisch zu beliefern. Mehr als 200 Ladepunkte mit zertifiziertem Grünstrom sind bereits in Betrieb.
Röhr trägt durch intelligente Konsolidierung zur Emissionsreduktion bei. Vollausgelastete Transporte verursachen pro Möbelstück deutlich weniger CO2 als Teilladungen. Die Bündelung in Mosina ist damit ökologisch wie ökonomisch sinnvoll. Konsolidierung, Routenoptimierung und zunehmende Elektrifizierung verbinden Wirtschaftlichkeit mit Nachhaltigkeit.
Skalierbarkeit durch Standardisierung
Der Online-Möbelhandel wächst kontinuierlich. Diese Entwicklung erfordert Logistikstrukturen, die Volumenschwankungen bewältigen können. Die Partnerschaft zwischen dem HES und Röhr ist darauf vorbereitet: Das HUB-System in Mosina lässt sich erweitern, das HES-Depot-Netzwerk besteht bereits europaweit. Neue Hersteller können integriert, zusätzliche Märkte erschlossen werden.
Standardisierte, digitalisierte und erprobte Abläufe ermöglichen Volumensteigerungen ohne Qualitätsverlust, was eine entscheidende Voraussetzung für nachhaltiges Wachstum in einem dynamischen Markt ist.
Fazit: Der HES und Röhr: Spezialisierung als strategischer Vorteil
Die Kooperation zwischen dem HES und der Anton Röhr Logistic Group demonstriert ein fundamentales Prinzip moderner B2B-Logistik: Grenzüberschreitende Lieferketten bewältigt man nicht durch Größe allein, sondern durch eine fokussierte Arbeitsteilung.
Röhr bringt Osteuropa-Expertise und Konsolidierungskompetenz ein. Der HES sorgt für Endkund*innen-Distribution und serviceorientiertes 2-Mann-Handling. Für Händler, Hersteller und E-Commerce-Anbieter bedeutet diese Allianz: Zugang zu effizienten Ost-West-Logistikstrukturen, ohne eigene Infrastruktur aufbauen zu müssen. Von der polnischen Werkshalle bis zum westeuropäischen Wohnzimmer funktioniert die gesamte Lieferkette durchgängig, transparent und serviceorientiert.