Nachhaltigkeit ist beim Hermes Einrichtungs Service (HES) keine Nebensache, sondern zentraler Bestandteil operativer Exzellenz – von der intelligenten Tourenplanung bis zur emissionsfreien Zustellung. In diesem Q&A gibt Viktoria Drabe, Division Manager im Co-Leadership für Product, Sustainability und Procurement, Einblicke in Nachhaltigkeitsziele, Maßnahmen und Technologien. Sie erklärt, wie das Unternehmen ökologische Verantwortung mit unternehmerischer Effizienz und Kundennutzen verbindet und welche Ziele auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Logistik bereits erreicht wurden.
Warum spielt Nachhaltigkeit in der Großstücklogistik generell eine wichtige Rolle?
Viktoria Drabe: Wo spielt Nachhaltigkeit keine wichtige Rolle? Aber natürlich, besonders auf der letzten Meile ist Nachhaltigkeit ein integraler Bestandteil verantwortungsvoller Unternehmensführung. Hier ist sie für die Endkund*innen auch besonders sichtbar. Aber für uns beim Hermes Einrichtungs Service (HES) ist nachhaltiges Handeln tief in unserer DNA verankert und durchzieht konsequent alle Stufen unserer Wertschöpfungskette. Als Betreiber und Verwalter großflächiger Immobilien – von regionalen HUBs bis zu urbanen Depots – tragen wir sowohl ökologische als auch soziale Verantwortung. Nachhaltigkeit beginnt für uns daher mit der Schaffung sicherer und fairer Arbeitsbedingungen. Denn langfristiger wirtschaftlicher Erfolg lässt sich nur erzielen, wenn wir auch für unsere Mitarbeitenden ein nachhaltiges Umfeld gestalten. Das heißt für uns: stabile Arbeitsplätze, eine respektvolle Unternehmenskultur und resiliente Betriebsstrukturen.
Ein weiterer zentraler Hebel liegt im Energieverbrauch unserer Infrastruktur. Unsere eigenen Gebäude werden zu 100 Prozent mit zertifiziertem Grünstrom betrieben. Darüber hinaus arbeiten wir derzeit an einem umfassenden Programm, das es auch unseren deutschlandweit verteilten Depotpartnern ermöglicht, unter attraktiven Rahmenbedingungen auf erneuerbare Energien umzustellen. So reduzieren wir unseren ökologischen Fußabdruck entlang unserer logistischen Kette, und zwar auch dort, wo wir nicht selbst Eigentümer sind, aber Verantwortung mittragen.
Wie gelingt es HES ganz konkret, Nachhaltigkeit auch im Zuge der logistischen Prozesse umzusetzen?
Viktoria Drabe: Nachhaltigkeit in der Großstücklogistik entfaltet ihre volle Wirkung nur dann, wenn sie ganzheitlich gedacht und entlang jedes einzelnen Prozessschrittes konsequent umgesetzt wird. Genau diesem Ansatz folgen wir mit einem systematischen und messbaren Ansatz und übernehmen bereits vor dem ersten gefahrenen Kilometer Verantwortung: Unsere Tourenplaner entwickeln Zustellrouten mit dem Ziel maximaler Effizienz bei gleichzeitig minimalem Ressourceneinsatz. Dabei steht nicht nur die optimale Beladung im Fokus, sondern auch die intelligente Routenführung. Beides zusammen bildet die Grundlage unserer sogenannten Loading Efficiency. Dieses Prinzip hat es uns im vergangenen Jahr ermöglicht, spürbare Einsparungen bei den CO2-Emissionen zu erzielen.
Auf der Straße setzen wir unsere Nachhaltigkeitsstrategie konsequent fort. Mit unserem Projekt EL-MO (Elektro-Mobilität) elektrifizieren wir unsere Nutzfahrzeugflotte sukzessive und treiben die Reduktion lokaler CO2- Emissionen auf der letzten Meile voran. Immer mehr Haushalte erhalten ihre neuen Möbel oder Elektrogeräte emissionsarm durch unsere elektrisch betriebenen Zustellfahrzeuge. Das ist ein klarer Schritt in Richtung klimafreundlicher Logistik, den wir auch in Zukunft mit Hochdruck weiterverfolgen.
Doch unser Anspruch endet nicht an der Haustür. Wir denken Logistik zirkulär. Bei den Kund*innen vor Ort entfernen wir Verpackungen und nehmen auf Wunsch Altgeräte mit zurück. Beides führen wir nach Materialien sortiert und fachgerecht in den Recyclingkreislauf zurück. Damit vermeiden wir nicht nur Entsorgungsaufwand für die Kund*innen, sondern schaffen auch Ressourcenkreisläufe, die aktiv zum Umweltschutz beitragen. Künftig gilt es, die Kompetenzen zu erweitern und ganzheitlich in Warenkreisläufen engagiert zu sein: Über das Recycling hinaus ist es möglich, wieder verwendbare Geräte qualifiziert zu reparieren und sie für die weitere Verwendung aufzubereiten.
Welche Ziele verfolgt HES bei der Elektrifizierung der letzten Meile und wie entwickelt sich der Ausbau der E-Lkw-Flotte?
Viktoria Drabe: Wir haben im vergangenen Jahr gezielt in unsere Fahrzeugflotte investiert und den Anteil vollelektrischer Auslieferfahrzeuge erhöht. Unsere E-Flotte umfasst damit jetzt über 100 Fahrzeuge, im kommenden Jahr sollen es noch mal deutlich mehr werden. Dazu beobachten wir eine steigende Akzeptanz und Bereitschaft bei unseren Partner-Depots für die Umstellung auf E-Nutzfahrzeuge. Es kann also in großen Schritten weiter gehen.
Parallel dazu konnten wir durch die Optimierung unserer Loading Efficiency signifikante CO2-Einsparungen erzielen und damit die Umweltwirkung unserer Zustellprozesse messbar verbessern.
Welche Projekte sind noch in Planung?
Viktoria Drabe: Während wir auf der letzten Meile bereits wichtige Fortschritte verzeichnen, stellen Mittel- und Langstrecken aktuell noch eine technologische Herausforderung dar. Die großflächige Elektrifizierung dieser Distanzen ist derzeit nicht flächendeckend realisierbar. Deshalb prüfen wir Übergangstechnologien wie HVO100 (Hydrotreated Vegetable Oil), um auch auf diesen Strecken den CO2-Ausstoß spürbar zu senken und dennoch Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Zukunftsgerichtet arbeiten wir zudem an Kreislaufwirtschaftsmodellen mit dem Ziel, Verpackungsabfälle systematisch zu reduzieren und Materialien wiederzuverwenden. Durch gezielte Rücknahme- und Recyclingprozesse – etwa bei Altgeräten oder Transportmaterialien – wollen wir Stoffkreisläufe schließen und Ressourcen effizienter nutzen.
Inwiefern profitieren eure Kund*innen davon, etwa im Hinblick auf ihre eigenen Nachhaltigkeitsziele?
Viktoria Drabe: Unsere Auftraggeber – also Händler und Hersteller, die uns mit der Auslieferung, Montage, Rücknahme und Entsorgung ihrer Produkte beauftragen – profitieren unmittelbar von unseren Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Denn viele von ihnen unterliegen zum einen europäischen Umweltauflagen, verfolgen zum anderen aber auch eigene ambitionierte Nachhaltigkeitsziele. Hier leisten wir durch unsere genannten Initiativen einen messbaren Beitrag, um ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.
Doch wir verstehen uns nicht nur als ausführender Partner, sondern auch als Impulsgeber. Über regulatorische Mindestanforderungen hinaus schaffen wir echte Differenzierungsmerkmale für unsere Auftraggeber, zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit zertifizierten Zustellpartnern oder die Entwicklung innovativer Lösungen, die ökologische Wirkung mit ökonomischem Nutzen verbinden.
Welche Rolle spielt Digitalisierung in eurem Nachhaltigkeitsbestreben – etwa im Hinblick auf Transparenz, Effizienz oder Ressourceneinsparung? Welche Technologien kommen bereits zum Einsatz?
Viktoria Drabe: Die Digitalisierung ist ein zentraler Treiber unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Durch den gezielten Einsatz von Datenanalysen steigern wir die Effizienz unserer Logistikprozesse, schaffen Transparenz entlang der Lieferkette und reduzieren den Ressourcenverbrauch. Technologien wie GPS-Tracking, intelligente Routenoptimierungssoftware und digitale Tools zur Überwachung des Energieverbrauchs ermöglichen es uns, Transportwege zu verkürzen und den Kraftstoffverbrauch messbar zu senken.
Digitalisierung, technologische Innovationen und Verantwortungsbewusstsein greifen bei uns dabei systematisch ineinander. Diese ganzheitliche Betrachtung – von der Planung über die Auslieferung bis zur Rücknahme – macht nachhaltige Logistik für uns zu einer praktizierten Verpflichtung. Sie verbindet ökologische Verantwortung mit effizientem Handeln im Sinne unserer Partner und Kund*innen.