Führung muss nicht nur bei einer Person liegen. Linda de Beer ist seit Juli 2022 beim Hermes Einrichtungs Service (HES), Viktoria Drabe seit Dezember 2024. Gemeinsam leiten sie als Co-Leadership-Tandem den Bereich Strategy & Transformation – eine Führungsstruktur, die der HES seit 2022 im Rahmen seines New-Leadership-Programms bewusst fördert. Im Gespräch erläutern sie, wie geteilte Führung im Alltag funktioniert und welche Vorteile Sparring gegenüber klassischen Einzelmeinungen bietet.
Wie genau sieht euer Führungsstil bzw. -modell aus? Und worin besteht der Unterschied zu klassischen Strukturen?
Linda de Beer und Viktoria Drabe: Wir führen als Co-Leadership-Tandem, das bedeutet, wir nehmen unsere Rolle gemeinsam wahr und teilen Verantwortung und disziplinarische Führung, auch wenn wir Themen oftmals separat treiben. Der größte Unterschied zu klassischen Strukturen ist sicherlich, dass wir für alle wichtigen Entscheidungen ein gegenseitiges Sparring nutzen, um unterschiedliche Ansichten bewusst einzubeziehen. So kombinieren wir Perspektiven, ohne Entscheidungsfähigkeit oder Klarheit zu verlieren.
Wie zeigt sich das im Arbeitsalltag? Könnt ihr konkrete Beispiele nennen?
Linda de Beer und Viktoria Drabe: Wir teilen Themen entlang unserer Stärken auf, bleiben aber gegenseitig informiert und abgestimmt. Mittwochs – unserem gemeinsamen Arbeitstag – bündeln wir strategische Themen, Teamentscheidungen und Austausch. Für das Team sind wir beide ansprechbar, vertreten uns nahtlos und stimmen uns eng ab, damit Führung konsistent bleibt. Bei inhaltlichen Themen greift die Aufteilung stärker, bei Team- und Personalthemen ist uns das Tandem aber besonders wichtig. So führen wir Personalgespräche zusammen und teilen unsere disziplinarische Verantwortung.
Wenn ihr euer Führungsmodell bzw. -verständnis in drei Worten beschreiben müsstest – welche wären das?
Linda de Beer und Viktoria Drabe: Vertrauen – Energie – Verantwortung. Aber Struktur und Teamgeist sind uns ebenso wichtig.
Inwiefern profitieren euer Team und das Unternehmen von dieser Art der Führung? Welche konkreten Ergebnisse oder Veränderungen wurden dadurch erzielt?
Linda de Beer und Viktoria Drabe: Das Team profitiert von stabiler Erreichbarkeit, vielfältigen Perspektiven und klaren Entscheidungen. Für das Unternehmen entsteht höhere Qualität und Kontinuität, auch bei Abwesenheiten. Entscheidungen werden gleichzeitig aus mehreren Blickwinkeln geprüft und dadurch schneller und fundierter getroffen.
Für den HES als Arbeitgeber eröffnet das Tandem-Modell Chancen, mehr Menschen mit unterschiedlichen Lebensmodellen in Führungsrollen zu entwickeln.
Welche Herausforderungen bringt der Führungsansatz mit sich, und wie geht ihr damit um?
Linda de Beer und Viktoria Drabe: Ohne Abstimmung und gute Übergaben geht es nicht. Wir arbeiten strukturiert und eng abgestimmt, nicht nur miteinander, sondern vor allem auch mit dem Team. Daher sind wir immer zu zweit in Teams-Chats, haben einen geteilten Kalender und eine gemeinsame E-Mail-Adresse. Die Koordination erfordert auf jeden Fall Disziplin und Struktur.
Welche Bedeutung hat Eigenverantwortung in eurem Team? Wie fördert euer Führungsmodell Partizipation, Mitgestaltung und Agilität?
Linda de Beer und Viktoria Drabe: Durch unser Führungstandem entsteht auch ein höherer Anspruch an die Ownership unseres Teams. Unsere Führung schafft einen Rahmen, Vertrauen und Sicherheit, das Team bewegt sich in diesem Rahmen und übernimmt Eigenverantwortung. Das Thema ist also absolut zentral für uns. Wir schaffen klare Ziele und Rahmenbedingungen, innerhalb derer das Team selbst entscheidet. Mitgestaltung fördern wir durch offene Diskussionen, transparente Prioritäten und iterative Arbeitsweisen. So können Geschwindigkeit und Resilienz entstehen, weil Verantwortung dort liegt, wo Expertise ist. Und der Spaß bei der Arbeit darf auf keinen Fall fehlen.
Wie messt oder erkennt ihr den Erfolg eures Führungsmodells?
Linda de Beer und Viktoria Drabe: Für uns zeigt sich der Erfolg im Teamfeedback, der Entscheidungsqualität, Zielerreichung und Zusammenarbeit. Gerade weil der Bereich neu ist und sich das Team erst entwickeln muss, gehört regelmäßige Reflexion fest dazu.
Ausblick: Wie entwickelt sich Führung in eurem Bereich weiter? Welche neuen Ansätze oder Experimente setzt ihr bereits um oder plant ihr?
Linda de Beer und Viktoria Drabe: Wir bauen aktuell ein starkes Team auf, dabei entwickeln wir auch unseren Führungsstil kontinuierlich weiter, denn wir verstehen Führung als lernendes System – mit klareren Entscheidungsformaten, mehr Verantwortung im Team und regelmäßigen Reflexionsschleifen.
Perspektivisch wollen wir mehr Kompetenzen gezielt ins Team verlagern und neue Arbeitsformen ausprobieren. Unser Ziel ist eine Führung, die anpassungsfähig bleibt und mit dem Bereich mitwächst. Das Führungskräfte-Lernnetzwerk des HES, an dem Führungskräfte aus unterschiedlichen Bereichen voneinander lernen, ist für uns dabei eine gute Möglichkeit, das Thema Führung aktiv und gemeinsam zu steuern und begleiten.
Serie über New Leadership beim HES
Dieser Beitrag ist Teil unserer Serie über Führungsstile beim HES. Lesen Sie hier unsere anderen Porträts und Texte zum New Leadership: